15€ und monatliche Kündbarkeit = Schnapper.
Der Videodienst musste bzw. muss wiederholt zertifiziert werden. Das ist nicht zu unterschätzen, sowohl organisatorisch als auch finanziell.
Hinzu kommt, dass das Interface an sich zwar einfach erscheint und möglicherweise auf der Basis bestehender Lösungen entwickelt werden konnte. Doch das ganze korrekt abzusichern, regelmäßig zu monitoren und die Verfügbarkeit zu sichern, ist nicht trivial. Sicher, es ist deren Geschäft und sollte daher inhaltlich an Hausmannskost grenzen. Aber eben: Ein Geschäft.
Selbst wenn der Anbieter keine große Bandbreite braucht, sind die Anforderungen mindestens ordentlich (die Kommunikation läuft m.W. nicht über deren Infrastruktur, was üblich und sinnvollerweise dem Stand der Technik entspricht). Auch muss die Videolösung an sich ausgefeilt sein und gewissen Sicherheitsanforderungen für beide Endpunkte genügen. Hierzu gehört auch, dass z.B. der Patient nicht irgendwelche Sicherheits-Exploits per Videostream ausnutzen und "die Praxis übernehmen kann".
Nicht zuletzt ist es dabei so, dass der Anbieter kein Geld mit den Daten (Gesprächen) verdient.
Ein Anbieter, der einen solchen Dienst (KBV-zertifiziert) vollständig und zu mehr als Testzwecken oder gelegentlicher Nutzung *kostenlos* bereitstellt, wird nicht lange überleben.
-> Wie viele Patienten kann eine Arztpraxis im Quartal pro bono, d.h. völlig ohne Abrechnung von Leistungen, dauerhaft versorgen?
-> Wie groß ist die Chance, dass ein Videoanbieter über einen kostenlosen Dienst an anderer Stelle Geld mit dem Kunden verdient?
RED hat ja noch das eigene PVS und die TI-Geschichten. Aber die Preisstruktur von RED Medical richtet sich meinem Eindruck nach keineswegs an preisbewusste Kunden.
Aber die anderen Anbieter haben kaum etwas, wofür man die Videosprechstunde (erfolgsorientiert) quersubventionieren könnte.
ABER:
Die Praxen wiederum können damit Geld verdienen, und sei es als Baustein der Vorhaltepauschale, sei es durch gesparte Hausbesuche, Ausweitung der Sprechstunden ohne volle Personalstärke, Erreichen neuer Patientenkategorien. Und wenn "Ferneinlesen" der eGK dann kommt, senkt es zumindest teilweise den Kostendruck.
Hier über 10, 20, 60 Euro im Monat zu diskutieren, ja... puh.
Da hätte ich als MFA in einer Region mit Fachkräfteüberschuss (haha, der war gut) ganz andere Bedenken.
Und Whataboutism geht auch ganz fein:
- Telefon- und Internetkosten unter 60 Euro mtl.?
- Telefonanlage ohne laufende Servicekosten?
- Lastschalter für die Praxis (allein der nächtliche Stromverbrauch...)?
- Alles auf LED umgerüstet, was geht (50% sind locker drin bei Beleuchtung - innerhalb von unter 18 Monaten auch bei Leuchtstoffröhren)?
- Bewegungsmelder für Flure und weniger genutzte Bereiche für Beleuchtung? Kann sich in 6 Monaten rechnen.
- Leasinggeräte und Fahrzeuge (Vergleich mit Finanzierung + Wartung durch freien Dienstleister/Werkstatt)?
- Smartphone der Mittelklasse statt iPhone?
- refurbished IT?
- Alle Fenster schließen korrekt? Smarte Heizungsthermostate?
- Speisen mitbringen statt Pizzadienst?
- Dem Personal die Praxiskleidung in Rechnung stellen bzw. kontingentieren?
Okay, nun wird´s absurd. Oder nicht? Irgendwo muss man sich doch den Fuffi klemmen...
Und zurück zur Lösungsorientierung: Natürlich spielt es eine Rolle, ob man nun 10, 50 oder 250 Euro monatlich für "den gleichen erforderlichen praktischen Nutzen" bezahlt. Lieber 10 als 200. Ohne Frage.
Wenn aber ein Anbieter gratis oder zu billig am Markt ist, hat man unter Umständen demnächst den Spaß, einen neuen Anbieter zu finden. Und wenn das zwei Stunden Aufwand bedeutet plus Umgewöhnung... mal gegenrechnen.