Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Kasimir » Samstag 26. August 2017, 17:25

In Abwandlung eines berühmten Zitates:

"Stell Dir vor, es ist VSDM und keiner geht hin!"

Ruckzuck wäre das Thema erledigt. Ziviler Ungehorsam ... leider in D verpöhnt.
Viele Grüße
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Charliechen » Samstag 26. August 2017, 18:32

Ich frage mal ganz einfach:
- Was genau versprechen Sie sich vom Abwarten (ob man das Abwarten nun als "ungehorsam" oder "nicht zum Fürsten eilen" bezeichnen mag, ist mir egal)?
- Kritisches Hinterfragen ist ja richtig und wir sollten auch versuchen Details im Auge zu behalten und aufpassen, dass nicht doch irgendwelche Unkosten
durch die Hintertür kommen, aber alles schlecht reden muss man ja auch nicht!
Die Kommunikation zwischen Ärzten ist eine Katastrophe! Das Hin- und Hergefaxe ist doch Steinzeit und Telefonieren ist auch immer so eine Sache: oft fehlt die Zeit! Die Schnittstellen zwischen Krankenhaus und Praxis sind Mist! Maßnahmen wie Bundeseinheitlicher Medikamentenplan und auch Gedanken zur Gesudnheitskarte, Datenflüssen und zur Kommunikation unter uns Ärzten sind doch wichtig. Nur dürfen sich nicht an dieser Stelle zu sehr irgendwelche Geldmacher oder andere Parasiten einnisten! Es ist klar, dass es hier auch mal Nachteile geben wird. Und auch wir Ärzte müssen hier anfangs die eine oder andere Pille mal schlucken, wenn wir daran mitwirken wollen, dass sich allmählich etwas verbessert. Sicherlich war es auch nicht so leicht, als Schweden vor 40 Jahren vom Links- zum Rechtsverkehr wechseln musste. Es gab auch Unfälle in den ersten Tagen: Aber hätten die deshalb ewig auf dem Linksverkehr sitzen bleiben sollen? Ich würde mich mal über eine plausible Antwort freuen, die mal konkret sagt, was man sich vom Abwarten verspricht!:

1) wirklich einen signifikanten eigenen Gewinn finanziell, indem die Fördersumme mal eines Tages größer ausfallen wird, als die Turbomed- Unkosten, da später mal, wenn Konkurrenzprodukte zertifiziert wurden, die Preise einbrechen ?- Glaube ich nicht dran!- Mir würde es reichen, wenn mir 2 Stunden Praxisausfall ausgeglichen werden.
2) weniger Aufwand und Theater in der eigenen Praxis, da man hofft, dass die ganze Sache kippt nach der Wahl ? - Glaube ich auch nicht dran! Da ist der "Point of no return überschritten"- Aber selbst wenn es so wäre würden die Unkosten trotzdem bezahlt! Außerdem möchte ich auch dazu beitragen, hier neue Wege zu probieren, da es irgendeinen Fortschritt auch mal geben muss. Und zwar einheitlich und KV-gesteuert und nicht verzettelt von jeder Kasse anders!
3) mehr Sicherheit, da im Moment nicht klar ist was passiert, wenn die erste Karte ohne eigenes Verschulden aus organisatorischen Gründen nicht bis zum Jahresende eingelesen werden kann und somit die Fördersumme kleiner wird, obwohl die Anschaffungskosten hoch bleiben?- Glaube ich auch nicht dran!

Also allgemeine Sprüche, die immer wieder "Stärke" und "Widerstand" oder "Trotz" symbolisieren sind das Eine, aber mal ein konkretes, praktisches Argument wäre mal was Anderes. Sollte wir ganz ohne Unkosten davon kommen (und danach sieht es jetzt aus, abgesehen von kleinen o.g. Aspekten, die doch gemeistert werden können), sollten wir uns auch nicht immer zu sehr gegen alles stellen! Gegenwind in Sachen "neue Wege im Datenaustausch" hat das Gesundheitssystem genug, da sollten wir Ärzte zumindest nicht "aus Prinzip" zicken. Mag sein, dass alles scheitert und nachher es besser gewesen wäre abzuwarten. Aber ein großer finanzieller Schaden scheint uns nicht dadaurch zu entstehen und ein Versuch, neue Wege zu gehen sollten wir wagen! Sachliche, eindeutige und für jeden leicht verständliche Gegenargumente sollten aber schon gelten! Würde mich also über solche eher mal freuen!
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon mschiller » Samstag 26. August 2017, 18:52

Alleine durch die Länge der Argumentation wird man ja nicht unbedingt besser. Hört sich ein bisschen so an wie, wenns mich persönlich nichts kostet machst mit.
Mal ganz zum Anfang ein Argument, ich hab noch viele andere. Die bisherige "Gesundheitskarte" hat Milliarden verschlungen und nichts aber auch gar nichts bisher gebracht. Wir haben ein System mit einer Vornamendatenbank weil auf der Karte nicht mal das Geschlecht gespeichert ist. Dieses Geld entgeht uns und/oder den Versicherten. Apropo, schicken wir dann Patienten weg bei denen der VSDA ergeben hat, dass er gerade nicht versichert ist weil irgendein Brief von irgendjemandem auf dem Postweg verschwunden ist (passiert dauernd)?
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Kasimir » Samstag 26. August 2017, 20:30

Charliechen hat geschrieben:- Was genau versprechen Sie sich vom Abwarten ...?
1) wirklich einen signifikanten eigenen Gewinn finanziell...?


Ein Gewinn? Ganz bestimmt nicht! Wann wäre es denn schon mal passiert, dass man als Arzt von Kassen/KV oder Ministerium praktisch genötigt wird, etwas wegen eines Gewinns zu machen? - Im Gegenteil: Ich erwarte nicht den geringsten Cent ... also warum sollte ich hetzen oder mich hetzen lassen?

Charliechen hat geschrieben:- Was genau versprechen Sie sich vom Abwarten ...?
2) weniger Aufwand und Theater in der eigenen Praxis


Das trifft es schon eher - und zwar auch dann, wenn die Sache nach der Wahl nicht gekippt wird. Und falls doch: Die Kassen, und somit die Versicherten. d.h. die Steuerzahler, hätten eine Menge Geld gespart, weil in jenem Falle auch die Unkostenerstattung für hunderttausende Arztpraxen nicht nötig wären. - Und: "dazu beitragen, hier neue Wege zu beschreiten" ist okay, aber bitte nicht per Zwang und der Androhung, Honorar entzogen zu bekommen.

Charliechen hat geschrieben:- Was genau versprechen Sie sich vom Abwarten ...?
3) mehr Sicherheit


Ja! Denn das geplante System ist ja schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit; nur die Beteiligten bestreiten das noch. Im Übrigen ist das Versichertenstammdatenmanagement ja nun das unnötigste aller für die E-Card geplanten Anwendungen. Warum beginnt man damit? Warum also nicht Abwarten, bis etwas wirklich - für die Patienten (und nicht wie jetzt für die Kassen) - Sinnvolles in die Tat umgesetzt werden soll?
Viele Grüße
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Johnny » Samstag 26. August 2017, 20:35

VSDA ... damit wird der Weg bzw die Kontrolle zum IndividualVertrag für jeden einzelnen Arzt mit jeder Krankenkasse angegangen.
VSDA - Abfrage und Schreiben auf die Karte heißt vielleicht auch: "So bei Dr. Müller sind Sie jetzt, daß ist aber der falsch Arzt für Sie (mit dem haben wir keinen Vertrag). Gehen Sie doch drei Strassen weiter zu Dr. Schmidt, der ist der Richtige" (eCard wird für heute bei Dr. Müller gesperrt).

Grruß aus Kiel

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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Forti » Sonntag 27. August 2017, 12:42

Mal was zu Charliechens Post:

S/MIME gibt es seit Jahren als Standard. Passende Signaturkarten (Qualifizierte Elektronische Signatur) ebenfalls.
BSI-Sicherheitsblätter liegen vor. Und jeder halbwegs brauchbare E-Mail-Client, sogar seit Symbian auf dem Smartphone, kann das.
Windows ist mindestens seit XP vorbereitet. Und das ist unkomplizierter und schweigepflichtkompatibler als De-Mail.

Damit ist die Arzt-zu-Arzt-Kommunikation mit Standardmitteln über bestehende Internetverbindungen möglich und rechtlich einwandfrei machbar.
Kosten? 5 Euro im Monat je Signaturkarte, Pinpad um die 40 - 60 Euro einmalig.

Sicherer als Post, kostengünstiger und schneller. Und alle Dateiformate inkl. BDT-Dateien sind machbar.

Weitere Vorteile: Weniger ausfallimmanente Schwachstellen wie Router, VPN-Anbieter, gesonderte Netzstruktur, Ver-/Entschlüsselungs-Middleware.

@Charliechen: Haben Sie es mal mit S/MIME probiert oder gar versucht, eine/n KollegIn zu überzeugen? Wenn ja: Prima, aber offenbar erfolglos. Denn das erscheint zu kompliziert.

Es muss erst eine sauteure und von bestehenden Standards abweichende Lösung gefunden werden, damit sich zumindest einige Menschen darauf einlassen.
Wie bei iMessage: Wer kein Apple hat, wird belächelt. Peinlich.
-> Wer heute noch mit einem exklusiven Statussymbol rumlaufen will, sollte auf Apple verzichten (hat ja jeder BWL-Student) und sich ein Blackberry PRIV samt Infrastruktur anhalsen (supersicher usw.).

Arzt-zu-Arzt per Netz wird kommen. Obwohl die offenbar schwächere Lösung der TI *nur* dadurch einen Vorteil bei der Verbreitung hat, dass sie von einem Zwangsmonopol vorgegeben wird.
Ohne Zwang wäre der Nachrichtenteil der TI etwa so "beliebt" wie D2D oder Telemed.net.

-----

Und folgende Idee:
Bundestag beschließe, dass die TI nur noch "optional" ist. Alle, die bei CGM gesignt haben, kommen aus dem 24-Monats-Vertrag nicht raus, haben alle Vor- und Nachteile - und trotzdem klappt die Kommunikation so umfangreich wie bei telemed oder D2D :>
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Charliechen » Dienstag 29. August 2017, 13:11

Wie gesagt: Bisher tut sich hier in unserer Region gar nichts! Die Arztberichte werden
über die "Laborpost" versendet und wenn es mal schnell gehen soll wird gefaxt.
Da andere Wege nicht bekannt sind, wird auch sehr viel herumtelefoniert. Dann
immer das Gleiche: "Nein, der Dr. hat gerade keine Zeit, er ist im Sono. Er
ruft gleich zurück" und dann kommt der Rückrufer und muss sich von ersten
Arzt anhören: "Nein, jetzt hat unser Dr. gerade keine Zeit, er ist beim Notfall-
Er ruft zurück"- Wenn dann gar nichts mehr geht wird also gefaxt .....
"Von alleine" wird es sich nicht durchsetzen andere Wege zu gehen! Wir sind
ja hier bei doczudoc noch technikinteressiert: Die meisten anderen Kollegen sind
das aber nicht in dieser Weise! Es muss schon von Seiten der KVN mit Druck auch gegen
Widerständer etwas durchgesetzt werden: Einheitlich! Sonst wird jede KAsse später
mal eigene Ideen haben- Nicht alles, was mit Druck gegen den Willen mancher Ärzte
durchgesetzt wird, ist schlecht. Als Landarzt musste ich auch jedes zweite Wochenende
Notdienst schieben! Hätte die KVN hier nicht gegen exorbitante Gegenwehr der meisten
Kollegen sich für uns Landärzte stark gemacht und den zentralen Notdienst trotz
schlechter Presse durchgedrückt, wäre auch ich nicht mehr hier und wäre in die Stadt
gezogen mit weniger Notdiensten.
Manchmal ist ein einheitlichen Vorgehen gegen Widerstände eben nötig, wenn sich
"von alleine" gar nichts bei uns tut. Manchmal ist auch der erste Entwurf falsch und
im Nachhinein Geldverschwendung- aber Versuche muss man starten und auch mal trotz
Skepsis mitstarten, damit sich dauerhaft etwas bewegt!! Nennt mich naiv: Ich glaube auch nicht,
dass ich, selbst wenn das ganze gekippt wird auf irgendwelchen Kosten für den 24 Monatsvertrag
sitzen bleibe! Skeptisch bin ich auch, und wissen kann ich das auch nicht! Erlebt habe ich von
KVN und KAssen auch schon die wildesten Dinge. Aber so viel "Glauben an die Menschheit" ist
mir trotzdem geblieben, dass ich mal glaube, dass ich auf keinen Kosten hängen bleibe. Und
wenn die Gesellschaft auf Kosten hängen bleibt, sind das eben Kosten, die für einen Versuch
ausgegeben, der zwar scheiterte, aber ein Boden dafür war, einen weiteren besseren Versuch zu
starten, der nicht scheitern wird. Wir müssen etwas versuchen! Von alleine wurde das bisher nichts
und wird das auch nichts!
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon mschiller » Dienstag 29. August 2017, 13:26

Tut mir leid, ich bin ganz anderer Meinung als Sie. Ein bisschen rumprobieren bis es dann passt will ich bei dem sensiblen System nicht haben. Es geht da um sehr persönliche Daten, man könnte sogar sagen es geht um medizinische Daten der Patienten. Und der Grund jetzt einzusteigen um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben (egal wer zahlt, ich jedenfalls nicht) hört sich bisschen abgebrüht und zynisch an.
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon doctoni » Dienstag 29. August 2017, 15:13

Hat sich überhaupt schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wieviele Patienten mit der Übermittlung ihrer sensiblen Patientendaten einverstanden sind ??
Sollte es zur berüchtigten schwarz/grünen oder Jamaika Koalition kommen, wird das Thema Datenschutz erst mal von vorn diskutiert werden müssen.
Meines Wissens lehnen 50% der Patienten den digitalen Infomationsaustausch ab, also für die Hälfte der Praxis ist diese ganze Diskussion hier im Forum sinnlos.
Ich bin im übrigen auch nicht damit einverstanden, dass meine Krankendaten auf irgendwelchen angeblichen sicheren Servern liegen und werde dies Daten auf keinen Fall freischalten.
Ich hoffe dieser völlig unausgegorene Mist wird gecancelt.
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon XRAY » Dienstag 29. August 2017, 16:29

Charliechen hat geschrieben:...für einen Versuch [...], der zwar scheiterte...

Aktuelles Beispiel für einen ganz erheblich gescheiterten Versuch der Zentralisierung medizinischer Daten (war vermutlich aber gut gemeint...):

The Medicare machine: patient details of 'any Australian' for sale on darknet
http://www.theguardian.com/australia-ne ... on-darknet

... das nenne ich mal Hochverfügbarkeit
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon danspie » Dienstag 29. August 2017, 18:44

Auch ich bin anderer Ansicht als Charliechen:
1) schauen sie sich doch nur mal den Mediplan an - bei uns steht irgendein Medikament im Plan, keine Ahnung, was der Apotheker ausgibt. An Unübersichtlichkeit ist der Plan kaum noch zu übertreffen und für alte Patienten kompletter Unsinn, insbesondere wenn die Firma falsch ist. Dennoch ist die Idee eines einheitlichen Plans sicher gut.
2) Vorab: ich bezeichne mich bei Z.n. Physik-Studium als Technik-affin.
Die Telematik ersetzt doch nie im Leben das Gespräch, sondern nur das Fax - aber diesen Riesen-Aufwand, um das Fax-Gerät zu ersetzen nützt vielen (z.B. auch Krankenkassen, evtl. auch um Falschabrechner zu erkennen, was ich begrüßen würde) aber kaum mich in meiner täglichen Arbeit - eher im Gegenteil, wenn wieder ein Server der KK hängt. Und wenn die Faxe langsam aussterben, dann werden die Kollegen schon auf verschlüsselte email umsteigen .......
3) Sie fragen, was man davon hat abzuwarten: die Möglichkeit, wenn es kommt, verschiedene Umsetzungen/Anbieter zu vergleichen und auch Kosten zu vergleichen .......
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Re: Neue Gematik- Kartenlesegeräte ....

Beitragvon Forti » Dienstag 29. August 2017, 19:51

Vorab: Den Faxersatz mittels S/MIME-verschlüsselter E-Mail ist in JEDER Praxis, die "schon" mit E-Mail umgehen kann, für ´n Fünfer im Monat (Signaturkarte, HBA mit Verschlüsselungsfunktion oder Vergleichbares) zuzüglich ggfs. einmalig rund 150 Euro Einrichtung zu haben. Also inkl. 1,5 Stundensatz eines Technikers, der erklärt, was zusätzlich zu beachten ist.

doctoni hat geschrieben:Hat sich überhaupt schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wieviele Patienten mit der Übermittlung ihrer sensiblen Patientendaten einverstanden sind ??
Sollte es zur berüchtigten schwarz/grünen oder Jamaika Koalition kommen, wird das Thema Datenschutz erst mal von vorn diskutiert werden müssen.
Meines Wissens lehnen 50% der Patienten den digitalen Infomationsaustausch ab, also für die Hälfte der Praxis ist diese ganze Diskussion hier im Forum sinnlos.
Ich bin im übrigen auch nicht damit einverstanden, dass meine Krankendaten auf irgendwelchen angeblichen sicheren Servern liegen und werde dies Daten auf keinen Fall freischalten.
Ich hoffe dieser völlig unausgegorene Mist wird gecancelt.


Man denke nur zurück, wie viele PatientInnen seinerzeit das Foto auf der eGK zu verhindern versuchten. Immerhin muss es nicht biometrisch sein. Aber solche Blüten wie Goofy auf den Karten bei einigen findigen Verweigerern lassen auch nicht das Vertrauen in ein für die KK neues Verfahren wechseln.

Als Datenschutzbeauftragter (nicht bei meinen IT-Klienten - das verträgt sich nicht) werde ich alles juristisch Mögliche nutzen, VSDM und mehr an meiner Person zu verhindern.

Warum?

Ich WILL keinen Live-Abgleich mit Zeitstempel, wenn ich eine (Fach-)Arztpraxis betrete. Vielleicht will ich aus gutem Grund am Ende des Arztgesprächs das ganze privat bezahlen und KEINE Doku im AIS hinterlegt sehen?

Ich WILL keine Notfalldaten auf der eGK. Die kann ich auch auf ´nem Zettel im Portemonnaie haben und SELBST sicherstellen, dass meine Unverträglichkeiten etc. korrekt sind. Übertragungsfehler gibt es genug. Müss nur mal jemand ein CAVE vergessen bzw. versehentlich löschen.

Ich WILL keine Rezepte auf der eGK, die "jeder" auslesen kann. Soll meine Frau mit meiner eGK herumlaufen, um meine Medi abzuholen? Was geschieht, wenn ich in dieser Zeit umkippe und meine Notfalldaten nicht bei mir sind (okay, siehe oben)?
Bekommt meine Frau dann überhaupt noch meine Medi? Ist ja nicht ihr Bild drauf...

Und ich WILL keine Arztbriefe und Diagnosen in einer wie auch immer gearteten Cloud sehen, selbst wenn (nur) meine eGK dafür den Schlüssel enthielte.


Das habe ich meinen Ärzten bereits gesagt und in fragende Gesichter geblickt. Mich als Techie fragend, wie sie das denn anstellen sollen.
Gegenfrage: Wie will der Arzt die DSGVO umsetzen?
Bis jetzt fällt mir kein Punkt ein, an dem ich gezwungen bin, meine Gesundheitsdaten in eine Cloud zu geben.
Ja, ich habe Facebook. Ja, ich vertraue "meinem" Arzt und seiner IT in naiver Weise (weil ich es besser zu wissen vermute). Dennoch: Es ist meine Entscheidung.

--> Kann es sein, dass die TI schnell noch umgesetzt wird, um nicht nach der DSGVO eingeführt werden zu müssen? Könnte einen guten Grund haben...

Ketzterisch? Ich glaube, manche misstrauischen Patienten würden intensiver argumentieren. Auch eine Minderheit kann Nerven kosten.
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